THD misst, wie viel unerwünschten harmonischen Inhalt ein Audiogerät einem reinen Signal hinzufügt. Niedrigeres THD bedeutet saubereren Klang. Audiophile Geräte zielen typischerweise auf <0,1 %.
Total Harmonic Distortion (THD, Klirrfaktor) misst, wie stark ein Audiogerät (Kopfhörer, Verstärker, Lautsprecher) ein Signal verfälscht, indem es unerwünschte Frequenzen (Harmonische) hinzufügt, die im Original nicht vorhanden sind. Spielt man eine reine 1-kHz-Sinuswelle in einen Kopfhörer, misst THD, wie viel Energie bei 2 kHz, 3 kHz, 4 kHz usw. erscheint. THD wird in Prozent ausgedrückt: ein Kopfhörer mit 1 % THD fügt harmonischen Inhalt im Umfang von 1 % der Originalenergie hinzu. Niedriger ist sauberer; höher bedeutet mehr „Verzerrung“.
**Wie THD technisch entsteht:** Kopfhörertreiber haben mechanische und elektrische Nichtlinearitäten. Bei geringer Lautstärke bewegt sich die Membran im linearen Bereich und erzeugt sauberen Klang. Mit steigender Lautstärke erreicht die Membran ihre mechanischen Grenzen (maximaler Hub), und die Bewegung wird nichtlinear — der Treiber kann beim „Ab“-Hub nicht so stark drücken wie beim „Auf“-Hub, was Asymmetrie und damit Harmonische erzeugt. Verstärker fügen THD durch Sättigung (Clipping bei hoher Lautstärke) hinzu. Bassfrequenzen fordern Treiber stärker, daher ist THD im Bereich 20–200 Hz bei hohem Schalldruck am höchsten. THD bei 94 dB vs. 114 dB liefert drastisch andere Ergebnisse — Specs nennen meist 1 kHz bei 94 dB für einen fairen Vergleich.
**Warum THD für Käufer wichtig ist:** Unter 1 % THD ist die Verzerrung für die meisten Hörer im A/B-Test unhörbar. Über 3 % ist sie klar hörbar als „Grunge“ oder harte Qualität. Der Sprung von 0,1 % auf 0,05 % ist selbst für geschulte Ohren nicht wahrnehmbar. Studiomonitore zielen auf <0,5 % über den Frequenzbereich. Consumer-Kopfhörer liegen typisch bei 0,5–2 %, je nachdem wie stark der Treiber gefordert wird. Gaming und Gelegenheitshören profitieren kaum von extrem niedrigem THD; kritisches Hören und Klassik erfordern niedrigeres THD für Genauigkeit.
**Worauf Sie achten sollten / häufige Fallstricke:** - THD variiert mit Frequenz und Schalldruck; immer prüfen, bei welcher Lautstärke gemessen wurde (94 dB Standard) - Bassbetonte Kopfhörer (große Treiber) haben bei hoher Lautstärke physikbedingt höheres THD - „THD+N“ (Verzerrung plus Rauschen) ist die vollständige Messung; THD allein lässt Rauschen aus - Niedrige THD-Werte sind ohne Frequenzgangdaten bedeutungslos - Marketing-Mythos: <0,01 % THD ist in Consumer-Geräten nicht von <0,1 % zu unterscheiden
Praxis 2026: High-End-Kopfhörer (Audeze, HiFiMAN) erreichen <0,5 % THD unter 1 kHz bei 94 dB. Premium-Earbuds (AirPods Pro 2, Sony WH-1000XM5) messen 1–2 %. Einsteiger-Earbuds (20–50 €) übersteigen oft 3 %, besonders bei hoher Lautstärke oder im Bass. Kopfhörerverstärker zielen auf <0,01 % THD.